Hallo und Liebe Grüße an alle,
nach 17 Jahren haben wir genug von Plenty.
Ich erspare euch hier mein Leid über plenty zu klagen, welches ihr höchstwahrscheinlich auch selbst schon erfahren habt.
In erster Linie möchte ich allen hier und im alten Forum danken, die uns immer wieder geholfen haben bei plenty weiterzukommen.
Gerade in den letzten Jahren gestaltete sich das immer schwieriger mit plenty.
Wir und viele andere gehören wohl nicht mehr zur Zielgruppe von plenty.
Durch eine tragischen familiären Zwischenfall im Februar kam es das ich mich mit dem Thema KI näher beschäftigt habe.
Ich habe erst für einen Bestatter eine einfache Bestatterwebsite gebaut. (War für micht eine Art Trauerbewältigung und Ablenkung zugleich)
Anfangs viel von Hand mit den üblichen Werkzeugen wie VS-Code etc, am Ende nur noch mit Claude Code.
Das hat soviel Spaß gemacht, das ich einen lang gehegten Traum von einem Konfigurator für unsere Klemmbretter gebaut habe, voll funktionstüchtig mit Checkout und Anbindung an Plenty, das die Bestellungen da reinlaufen.
Als ich damit fertig war stellte ich mir die Frage, ob Claude Code auch unser Office nachbauen kann.
Claude hat mir gesagt, das dies überhaupt kein Problem sei, nur viel Arbeit…
Das war der Startschuss in eine Freiheit die ich noch nie erlebt habe.
Wir haben daraufhin ungefähr 2 Wochen lang den Wechsel geplant und ausgearbeitet.
Danach hat claude mit mir und meinen Vorgaben unser eigenes office gebaut.
Dann haben wir es ein paar Wochen lang parallel zum plenty laufen lassen und geschaut ob der Spiegel nicht abweicht um dann den Tag X festzulegen und alles dafür notwendige vorzubereiten.
Die größten Hürden waren die API’s zu ebay, Amazon, DHL, Meta und Deutschen Bank. Dank KI waren die aber nur noch Mini. Nur Zeit muss man da mitbringen.
Tag X war der 06.08. und nach nun 3 Wochen bin ich echt zufrieden mit dem Ergebnis.
Klar, hier und da ploppen Dinge auf die man nicht bedacht hat, aber auch das ist binnen Minuten bis Stunden behoben und nachgerüstet.
Es gibt keinerlei Blockaden, Null Komma Null. Was ich haben will bekomme ich ich gnadenlos von der KI gebaut und zwar so das es funktioniert. Fehlschläge natürlich inklusive.
Ich kann garnicht alles Aufzählen was wir mit KI alles erreicht haben. Deshalb habe ich das Claude selbst machen lassen. Wen es interessiert, hier mal ein Überblick:
Was inzwischen drinsteckt:
Artikel / Varianten: 3.996 / 751.909 (746.570 shop-sichtbar)
Aufträge in der Datenbank: 463.285 (Altbestand migriert)
Kundenkontakte: 300.390
Automatische Läufe im Scheduler: rund 120
Konsolen-Kommandos: 320
Anwendungscode: rund 165.000 Zeilen
Vom ersten Commit bis zum Cutover: 6 Wochen
Stack: Laravel 13 / PHP 8.4 / MySQL 8.4 / Redis auf einem eigenen Hetzner-Server. Zwei Anwendungen aus einer Codebasis — Back-Office und Storefront — plus eine PWA für die Zeiterfassung am Handy.Was das Back-Office kann
Artikel & Sortiment: Artikeldetail mit 11 Reitern (Global, Varianten, Hauptvariante, Multi-Channel, Texte, Merkmale, Bilder, Bestand, Cross-Selling, Statistik, Bewertungen). Mehrere Preislisten, Staffelpreise, UVP. Eigener GTIN-Nummernpool mit „nächste freie EAN" per Klick. Variantenspezifische Bilder, automatische WebP/AVIF-Varianten, KI-Alternativtexte. GPSR-Angaben inklusive PDF. Die Shop-Sichtbarkeit läuft über eine einzige berechnete Wahrheit aus manuellem Haken und Bestandsautomatik — Shop, Sitemap, Google-Feed und Marktplätze filtern alle über dasselbe Feld.
Aufträge & Belege: Auftragsarten (Verkauf, Retoure, Gutschrift, Nachlieferung, Reparatur), Teillieferungen, Stornos, Bestandsreservierung, vollständiger Statusverlauf, Massenbearbeitung. Jede Rechnung ist eine E-Rechnung: sichtbares PDF mit eingebettetem XRechnung-3.0-CII-XML als PDF/A-3, Leitweg-ID für öffentliche Auftraggeber. Revisionssichere Nummernkreise je Belegart, DATEV-Export, Erlös- und Debitorenkonten je Land mit OSS-Steuersätzen, GoBD-Verfahrensdokumentation.
Versandprozesse: „Rechnung + Paketlabel" als ein Arbeitsgang — einzeln oder im Stapel zu 10/25/50/100, mit Laufhistorie und Wiederholung. Volle DHL-Anbindung: Labels, Retourenlabel, Freies Label, Sendungsverfolgung, Ablage- und Abholbenachrichtigung, Waisensendungen finden, DHL-Rechnungsimport mit Abgleich. Ein Druck-Agent holt sich die Druckaufträge über eine API und quittiert sie.
Multichannel:
eBay: Listings anlegen/ändern/beenden, Bestand und Preis live, Bestellimport, Versandmeldung, Stornos, Gebühren, Store-Kategorien, Business Policies, Aspekte-Katalog, Platform-Notifications. Beschreibungsvorlage mit Massen-Rollout über 3.600 Angebote.
Amazon SP-API: Artikel-Push mit Produkttyp- und Schema-Abgleich, Variationsthemen, Bestand, Preise, Bestellimport, Rechnungs-Upload, Stornobestätigung, Preisverstoß- und Kollisionserkennung, ASIN-Zuordnung über EAN/SellerSKU.
Google Shopping inklusive Statusrückmeldung und Bewertungsfeed.
Eigene Ingest-Schnittstelle für unseren zweiten Shop.
Zahlungen: Bankumsätze werden automatisch abgerufen und den Aufträgen zugeordnet — Einzelzahlung, Sammelzahlung, Skonto, Gebühren, Vorkasse- und Hauptkonto getrennt. Dazu Transaktionsabgleich für PayPal, Stripe/Klarna und Amazon Pay, automatische Zahlungserinnerungen, Stornierung unbezahlter Aufträge, Rückerstattungen. Jede Geldbewegung zum Auftrag steht als Zahlungshistorie mit Datum, Kanal, Betrag und Referenz.Echte Kosten am Auftrag: Wir holen die Gebühren dorthin zurück, wo sie entstanden sind. Die eBay-Provision und der tatsächliche Auszahlungsbetrag kommen aus dem eBay-Finanzbericht, die Amazon-Gebühren aus dem Billing-Abruf, die Transaktionsgebühren von PayPal, Stripe/Klarna und Amazon Pay aus den gespiegelten Zahlungstransaktionen — und die DHL-Paketkosten aus der DHL-Rechnung selbst: jede Position wird über Identcode und Referenz auf die Sendung und damit auf den Auftrag gebucht, mit Zuschlägen, Steuer und einer Kennzeichnung, wenn der berechnete Betrag vom erwarteten abweicht. Am Auftrag stehen die realen Gebühren damit neben Warenwert und Porto: was der Auftrag eingebracht hat, was er gekostet hat und was am Ende ankam. Zusammen mit dem Kostenimport aus Google- und Meta-Ads ergibt das die Rentabilität bis auf den einzelnen Artikel.
Kundenservice-Posteingang (Messenger): ein Postfach für E-Mail, eBay-Nachrichten, Amazon-Nachrichten, WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram-DM. Nachrichten werden automatisch mit Auftrag und Kunde verknüpft, dazu Tags, Eigner-Zuweisung, Textbausteine, Signaturen und ein Spamfilter mit Ein-Klick-Sperre. Die KI schreibt auf Wunsch einen Antwortentwurf aus Auftrags- und Artikeldaten — abschicken tut ihn immer ein Mensch.
Sprachbarriere: Fremdsprachige Kundennachrichten werden beim Öffnen automatisch erkannt und ins Deutsche übersetzt, ebenso die Kundennotizen, die aus Shop und eBay am Auftrag hängen. Umgekehrt genauso: Wir tippen die Antwort auf Deutsch, und sie geht in der Sprache des Kunden raus. Erkennt das System, dass der Kunde ohnehin deutsch schreibt, bleibt alles unverändert — kein unnötiger Umweg. Übersetzt wird einmal und dann am Datensatz gespeichert, damit derselbe Text nicht bei jedem Öffnen erneut Geld kostet; fürs bloße Mitlesen läuft ein schnelles, günstiges Modell, für die Antwort an den Kunden das hochwertige. In der Praxis heißt das: Italienische oder französische eBay-Anfragen beantwortet bei uns jeder im Büro, ohne ein Wort der Sprache zu können.
CRM: Kunden und Firmen mit Adressbuch und Kundenklassen. Adressprüfung gegen PLZ- und Straßenverzeichnis inklusive Hausnummern-Trennung und Dublettenerkennung. USt-IdNr.-Prüfung gegen VIES mit Adressabgleich. DSGVO-Auskunft und -Löschung als geführter Ablauf.
Marketing: Newsletter im Eigenversand über den eigenen Mailserver — Double-Opt-In, One-Click-Abmeldung, Warmup-Rampe, Bounce-Verarbeitung, Feedback-Loops von Microsoft und Yahoo, Zustell- und Öffnungsauswertung, Sperrlisten. SPF/DKIM/DMARC mit p=reject und BIMI, DMARC-Reports werden ausgewertet. Dazu Gutscheinverwaltung, Blog, Social-Media-Planung mit Veröffentlichung über Meta inklusive Reels sowie Kostenimport für Google- und Meta-Ads mit ROAS-Auswertung.
Medien & KI: Bildgenerator für Szenenbilder aus Produktfotos, Videogenerator für Produktvideos, KI-Texte für Artikel, Newsletter, Blog und Kategorien — mit Modellwahl je Aufgabe und Kennzeichnung nach EU AI Act Art. 50.
Zeiterfassung: Mitarbeiter stempeln über eine PWA am Handy, sehen ihr Arbeitszeitkonto und stellen Anträge für Urlaub, Abfeiern und Krankmeldung. Im Office: Zeiten korrigieren mit Audit, Anträge genehmigen, Salden, Stundenzettel als PDF, Monatsabschluss, ArbZG-gestaffelte Auto-Pausen, Feiertage.
Einrichtung & Betrieb: rund 40 Einrichtungsseiten (Stammdaten, Versandkosten, Steuersätze, Mailvorlagen, Nummernkreise, Zugriffsrechte je Benutzer). Etwa 120 automatische Läufe im Scheduler, tägliches Backup mit automatischem Restore-Test, Server-Monitoring, Schwachstellen-Scan, Heartbeat.
Zur Bedienung: geöffnete Seiten bleiben als Work-Tabs stehen, jede Liste merkt sich Suche, Filter, Seite und Scrollposition, und eine Kopfsuche findet jede der Hunderten Unterseiten.
Was der Shop kann
Katalog und Suche: Kategorien mit Facettenfilter, eigener Suchindex mit Live-Vorschlägen, Synonymen, Tippfehler-Toleranz, Pluralformen, Maßangaben-Erkennung („30x40") und Wortzerlegung für Komposita. Was Kunden suchen und nicht finden, wird protokolliert und ist unsere Sortimentsvorlage.
Artikelseite: Variantenauswahl mit eigenen Bildern und Preisen, Verfügbarkeit mit Lieferzeit, Benachrichtigung bei Wiederverfügbarkeit, Bewertungen, „Frage zum Artikel" (landet direkt im Service-Posteingang), Cross-Selling, Merkzettel, Konfiguration von Wunschgravur beziehungsweise Wunschmaß.
Kasse: nativer Ein-Seiten-Checkout, Gast oder Konto, Firmenkunden mit VIES-Prüfung in Echtzeit, Steuersatz nach Bestimmungsland (OSS), Versandkostenberechnung, Gutscheine. Dazu Express-Checkout über PayPal und Amazon Pay direkt aus dem Warenkorb.
Zahlarten: Vorkasse, PayPal, Kreditkarte, PayPal Ratenzahlung, Kauf auf Rechnung über PayPal/Ratepay, Klarna Rechnung und Ratenkauf über Stripe, Amazon Pay sowie Rechnung mit 14 Tagen Zahlungsziel für Kunden mit Konto.
Kundenkonto: Bestellungen mit Belegen als PDF, Sendungsverfolgung, Nachbestellen, Adressbuch mit Dublettenzusammenführung, E-Mail-Wechsel mit Bestätigung, Bewertung abgeben. Wer kein Konto will, sieht seine Bestellung über einen Token-Link plus PLZ ein, kann bezahlen und sogar die Zahlart wechseln. Warenkörbe werden über das Konto zwischen Geräten abgeglichen.
Inhalte: alle Content-Seiten, der Blog, die Team-Seite und eine Fotogalerie mit Kunden-Einsendungen sind im Back-Office pflegbar. Der Widerruf kann online erklärt werden.
Auswertung: eigene First-party-Webanalyse mit Seitenaufrufen, Besuchern, Quellen und dem Funnel Besuch → Warenkorb → Kasse → Kauf. Cookieless, ohne Einwilligungsbanner-Zwang, ohne Google.
So und wer es bis hierhin geschafft hat erfährt wohl das Interessanteste.
Die Kosten:
Hetzerserver + Backup: rund 60EUR
Claude Code: aktuell noch 90EUR (kann ich jederzeit wieder auf 15EUR zurückwechslen)
Claude Plattform: bis jetzt rund 40EUR (jenachdem wieviel Übersetzt und wieviele Texte erzeugt werden)
IONOS Cloud: aktuell 23 Cent im Monat für die GOBD Rechnungsablage
Das war’s. Keine Hundert Euro im Monat.
Wenn ich mir jetzt überlege das Plenty uns ab Dienstag auf Ultimate mit 1700EUR Netto schieben wollte kriege ich leichte Lachanfälle.
Ich kann mir garnicht erklären wieso wir bisher neben dem CLASSIC-Tarif noch knapp 700EUR an Hostinggebühren berechnet hat. Für was?
Aber zur Wahrehit gehört auch, das ich hier mit der KI 16 Stunden am Tag auch am Wochende durchgehakt haben. Und das jetzt rund 8 Wochen am Stück. Aber es nimmt jetzt ab. Und ich möchte auch betonen das noch nicht alles Perfekt ist und noch viele Altlasten aus Plentyzeiten abgeräumt werden müssen und ich noch viele Ideen habe wie zum Beispiel Multilingualität im Shop und noch andere geil Dinge.
Mein Fazit im allgemeineen zu KI
Ich kann nur jedem raten die Chance die durch KI entsteht zu nutzen um weiterzukommen.
Auch wenn Plenty jetzt mit Krampf viel KI einbindet glaube ich das Plenty allein durch Kosten und schlechten Support eher ein Klotz am Bein ist und bleibt.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen das es plenty in 10 Jahren noch geben wird.
KI macht plenty langfristig überflüssig. Ich sage nicht das ich mir das wünsche, aber es ist die absolute Realität.
Also nun nocheinml mein Dank an alle die mich über die Jahre unterstützt haben.
Danke.
MfG Christian