Wer bietet denn im B2C Bereich Bestellungen auf Rechnung an, und wie managed ihr das Ganze? Thema Mahnungen, Inkasso etc.
Fragt ihr bereits bei der Bestellung Bonitätsdaten ab, oder kann grundsätzlich erstmal Jeder bestellen? Und wie hoch sind bei euch die Quoten an Nichtzahlern?
also ich würde immer erst “jeden” bestellen lassen. Hängt aber stark von der Kundschaft ab. Bei uns sind es meist sehr seriöse Kunden (Behörden, etc.). Wenn die nicht direkt Rechnung angeboten bekommen sondern es zu kompliziert ist, springt da vermutlich der eine oder andere ab.
Wir machen es so, dass alle Bestellungen mit der Zahlungsart Rechnung “aussortiert” werden und dann manuell geprüft werden.
Hier finden div. Prüfungen statt, abhängig vom Kunden.
Oft reicht wenn die Bestellung von einer offiziellen Behördenadresse kommt schon um den Auftrag auszuführen.
Ansonsten gibts halt tiefere Prüfungen, bis hin zu Bonitätsdaten.
Wir fahren damit seit Jahren eigentlich relativ gut. 1-2 Ausfälle im Jahr.
Wenn ich fragen darf, wie viele Bestellungen auf Rechnung bekommt ihr ca. wöchentlich?
Jede Bestellung manuell zu checken hört sich nach immensen Arbeitsaufwand an.
Wir bieten seit November den Kauf auf Rechnung an und sind relativ überrascht über die doch recht hohe Anzahl an Kunden, welche die Zahlungsfrist nicht einhalten und selbst nach der ersten oder zweiten Mahnungen / Zahlungserinnerungen weder den Kontakt suchen, noch bezahlen (zwischen 20-30%).
Für normale Endkunden gibt’s ja zB. PayPal mit Rechnungskauf, das klappt da ganz gut.
Ich mache auch Rechnungskauf - aber nicht bei normalen Endkunden, sondern nur bei Behörde, Firmen etc. mit Zahlungsziel max. 30 Tagen - 2 Großkunden hab ich auch 45 Tage.
Diese lass ich aber zuvor bei der https://www.creditreform.de/ checken, wenn bedarf ist. Ich mach es ja auch wie mein Vorredner beschreibt.
normale Kunden dürfen nur Rechnung über Mollie. Da tragen wir das Risiko nicht, und müssen auch nix prüfen
außerdem haben wir eine „Firmenrechnung“, das ist die ganz normale Rechnung auf eigenes Risiko, umbenannt. Diese Aufträge landen in einem Wartestatus und warten auf manuelle Freigabe
So reduziert sich der Aufwand, und Aufträge auf Firmenrechnung sind meistens schön hoch, da prüft man doch gern
Bei uns sind es nur öffentliche, die auf Rechnung dürfen. Hier selbstverständlich nur mit offiziellem Beleg, der dann in der Regel manuell erfasst wird.
Wir haben nur 2 oder 3 Kunden (Schulen) die für ihre Projekte auch direkt im Shop auf Rechnung bestellen können. Das ist aber eher selten.
Für die normalen Kunden nutzen wir Ratepay über den Paypal Checkout und für Firmen und öffentlichen Einrichtungen bieten wir es zwar an aber diese Aufträge werden bei uns generell manuell erfasst.
Wir hatten früher mal Rechnungskauf für normale Kunden aktiviert aber es gab am Ende zu viele Zahlungsausfälle und das mit teilweise sehr hohen Beträgen. Wir haben aktuell immer noch teilweise offene Inkassoverfahren, die noch vor 2016 gestartet waren.
Normaler Rechnungskauf läuft über Klarna, für Firmen über Billie, nur öffentliche oder kirchliche Einrichtungen auf normale Rechnung. Wir haben keine Lust unserem Geld hinterherzurennen.
Grundsätzlich bieten wir über die angebundenen Zahlungsanbieter den Kauf auf Rechnung an. Es gibt aber bei uns auch immer mal wieder Kunden, die so gar nichts mit Online und Payment Services zu tun haben und meist auch schon gehobenen alters sind. Diese Kunden sind super Dankbar wenn man Ihnen eine Lösung anbietet.
Wir haben das über verschiedene Stati und E-Mails über die Ereignisaktionen die in Abhängigkeit des Zahlungsziels versendet werden gelöst. Diese Kontrollieren wir dann einfach in der Auftragsübersicht.
Bisher gab es nur einen Ausfall, ansonsten funktioniert das reibungslos. Aber klar, ist manuelle Arbeit das im Blick zu haben und ggfl nachzufassen. Kommt super selten vor, dass wir das tun müssen. Aber kommt schon mal vor. Meistens reagieren die Kunden schon bei der ersten Zahlungserinnerung.
Ich biete seit 2011 Kauf auf Rechnung in Eigenregie an – also ohne Klarna, PayPal-Rechnungskauf oder ähnliche Dienstleister.
Das funktioniert bei uns vor allem wegen der Zielgruppe. Viele unserer Kunden (B2C) kommen mit den ganzen Zahlungsdienstleistern nicht gut zurecht oder lehnen sie bewusst ab. Rechnung ist dort ein echter Vertrauensfaktor und Conversion-Treiber.
Bis zur Corona-Zeit haben wir im B2C-Bereich fast „blind“ auf Rechnung versendet und nur auffällige Bestellungen manuell geprüft. Die Ausfallquoten waren überschaubar.
Während Corona gab es dann allerdings vermehrt Eingehungsbetrug* sodass wir das Setup neu denken mussten.
Wir haben vieles getestet:
– Bonitätsprüfung direkt im Checkout
– Zahlungsartensteuerung nach Risiko
– harte Einschränkungen für Neukunden
Das Problem: Alles, was im Checkout prüft oder blockiert, killt Conversion.
Unsere heutige Lösung ist daher bewusst zweistufig:
Alle Bestellungen laufen erstmal durch – auch auf Rechnung
Bonitätsprüfung nur für Neukunden, nachgelagert
Technisch:
Schufa-Anbindung per API
zusätzlich Black- & Whitelisting (Wichtig)
eindeutiges Identifikationsmerkmal ist die E-Mail-Adresse
Wichtig:
Auch wenn jemand fünfmal als Gast bestellt, wird er nur beim ersten Mal geprüft* Ab der zweiten Bestellung erkennt das System ihn über die E-Mail als Bestandskunden – keine erneute Prüfung, kein Reibungsverlust.
Es gibt natürlich Sonderfälle:
Rechnungsadresse ist z. B. der Arbeitgeber
Lieferung an Ferienadresse / Urlaubsort
→ diese Fälle sind teilweise nicht eindeutig schufafähig
Dann machen wir im Zweifel eine manuelle Nachprüfung (z. B. über Inkasso-/Wirtschaftsauskunft) oder stellen einmalig auf Vorkasse um. Das kommt aber selten vor.
Ergebnis nach vielen Jahren Praxis:
Kauf auf Rechnung in Eigenregie ist ein massiver Wettbewerbsvorteil wenn Zielgruppe und Prozesse passen
Die Kosten für Schufa-Prüfungen sind deutlich geringer, als viele wahrscheinlich vermuten
Und unterm Strich oft günstiger als externe Rechnungskaufanbieter – bei deutlich besserer Kundenakzeptanz
20–30 % Nichtzahler deuten aus meiner Sicht nicht auf „Rechnungskauf funktioniert nicht“ hin, sondern auf:
fehlende Segmentierung (Neu- vs. Bestandskunde)
zu späte oder zu weiche Risikosteuerung
oder eine Zielgruppe, bei der Rechnung ohne Absicherung schlicht nicht passt
Rechnungskauf ist kein Selbstläufer – aber richtig umgesetzt ein starkes Instrument
3 Mahnstufen ist gar nicht nötig. In DE reichen die erste Mahnstufe und danach gehts direkt zum Gericht - so war ich schon all die letzten Jahre 3x erfolgreich.
Da hast du rechtlich gesehen völlig recht
In Deutschland ist keine bestimmte Anzahl von Mahnstufen vorgeschrieben. Eine erste Mahnung reicht, danach kann direkt das gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet werden – das ist absolut zulässig und funktioniert, wie du schreibst, auch.
Mein Ansatz ist eher praktisch-kaufmännisch als juristisch:
In der Realität ist nicht jede verspätete Zahlung böser Wille. Viele Rechnungen werden:
übersehen
nur überflogen
in E-Mails „weggelegt“
oder landen schlicht im Spam
Meine Erfahrung:
Spätestens bei einer schriftlichen Mahnung per Post zahlen fast alle, die vorher nicht reagiert haben. Allein der Medienbruch (Brief statt Mail) wirkt.
Ich eskaliere daher bewusst nicht sofort:
Ja, es ist etwas mehr Aufwand
Aber es spart Gerichtskosten, Inkassogebühren und verbrannte Kunden
Und es bringt am Ende sogar einen Wettbewerbs- und Kostenvorteil, weil Rechnungskauf so sauber und kundenfreundlich funktioniert
Kurz gesagt:
Rechtlich schnell eskalieren geht.
Kaufmännisch ruhig und strukturiert nachfassen lohnt sich oft mehr.
Beides ist legitim – ich habe mich aus Erfahrung für die zweite Variante entschieden.
Das sind nur die internen Bezeichnungen.
Wir schicken hier dem Kunden ganz freundlich Zahlungserinnerungen. Wir brauchen den Schritt mit dem Gericht nicht. Unsere Kunden Zahlen - Es kommt eben nur ab und zu vor, dass es vergessen wird.
Das ist denke ich Menschlich und bedarf keiner Weitergabe an ein Gericht oder Anwalt. Wir fahren so sehr gut. Da ich den Kunden ja am Telefon habe und hier schon eine erste Einschätzung über die Persönlichkeit habe, war das bisher alles gar kein Problem.
Ich gehe gar nicht erst ins Inkasso. Wenn die nach 4 oder 6 Wochen auch kein Erfolg haben - wurde das Ganze dadurch nur um die Zeit für mich sinnlos rauszöget - ich gehe nach der 1. Mahnung gleich zum Gericht.
Ich mache es immer so:
Rechnung
nach 14 Tagen dann Erinnerung Schreiben mit Rechnung per Mail
nach 14 Tagen dann direkt eine Mahnung + Mahngebühren (ca. 3 € bis 5 €)
nach 14 Tagen dann Mahnschreiben übers Gericht
So verkürze ich die Wartezeit bis ich mein Geld habe schon enorm. Es sei den, ich muss mein Geld über den Gerichtsvollzieher eintreiben lassen - hatte ich schon 1x und ziehte sich über 1 Jahr hin.
Das die Kunden zahlen, nach der Erinnerung oder Mahnung ist bei mir eigentlich auch so, nur zum Gericht musste ich all die letzten Jahre zum Glück auch nur 3x und 1x davon sogar über den Gerichtsvollzieher (leider)
Marcel, die beiden Firmen, wo ich übers Gericht nach dem Mahnschreiben mein Geld eingetrieben habe, haben danach trotzdem bei mir weiter bestellt und zahlen nun auch immer über pünktlich. 1er davon hatte sogar schon nach 3 Tagen der Auslieferung nach der Rechnung gefragt, weil ich diese mal vergessen hatte direkt nach Versand zuzusenden
Ich verstehe deinen Ansatz – rechtlich und formal ist das völlig korrekt
Aus meiner Praxis heraus habe ich mich bewusst gegen die schnelle Eskalation Richtung Gericht entschieden.
Inkasso ist für mich kostenneutral ein gerichtlicher Mahnbescheid kostet Geld – sofort.
Ich habe es über die Jahre mehrfach getestet:
Wenn ein professionelles Inkasso nicht erfolgreich ist, war ich danach auch mit einem gerichtlichen Mahnbescheid nicht mehr erfolgreich.
Im Gegenteil: Das Geld für Gericht und Gebühren war dann schlicht zusätzlich verbrannt.
Die Fälle, die nach Inkasso nicht zahlen, sind aus meiner Erfahrung strukturelle Nichtzahler (kein Geld, nicht greifbar, kein Wille).
Da hilft das Gericht oft auch nicht mehr – außer, man möchte noch mehr Zeit und Geld investieren.
Inkasso-Unternehmen wie ATTRIGA liegen realistisch bei ca. 70–75 % Erfolgsquote – und das ohne Kostenrisiko für mich.
Die restlichen Fälle sind bei mir die, die ich am Ende abschreibe. Zum Glück wenige.
Unterm Strich ist das wahrscheinlich eine Zielgruppen- und Erfahrungsfrage.